Gesprächssplitter vom Death Café 4 in Richterswil

B1AA7424-9615-4067-B0E3-6C2DEC965FA8

Wie spricht man mit einem Sterbenden? Wie macht man das? Was redet man? Ich hab von Gott und der Welt erzählt. War das richtig?

Warum sind wir traurig, wenn jemand stirbt. Wir wissen doch, dass JEDER sterben muss. Der Tod gehört doch dazu. Warum also traurig sein? Vielleicht weil etwas offen geblieben ist ?

Gläubigen Menschen scheint es schwer zu fallen „einfach zu gehen“. Sie tun sich schwer und leiden oft wochenlang bevor sie dann endlich sterben … das ist für alle sehr belastend. Vielleicht ringen sie mit Gott? Sie haben vielleicht Angst? Vor was?

Ich bin noch nicht fertig mit dem, was ich tun will. Ich will jetzt noch nicht sterben! Erst wenn alles erledigt ist!

Ich könnte jetzt gehen. Ich hab alles erledigt. Ich fühle mich frei! Alles was jetzt kommt und ist, das ist eine Ergänzung. Das ist ein wunderbares Gefühl. Ich hab auch nur noch wenig in meiner Wohnung. Nur das was sein muss, damit lebe ich. Meine Kinder werden keine Mühe haben mit meinen Sachen, wenn ich mal tot bin. Weiterlesen

Kinofilm: Das Erste und das Letzte

Ich war im Kino und habe den Film über Jacqueline von Kaenel gesehen, die noch einmal ihre Kindheit und ihr Leben Revue passieren lässt bevor sie stirbt. Sie ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben.

Der Film hatte es in sich. Ich habe ihn deshalb in meinem anderen Blog vorgestellt, weil es sehr um das „Wesentlich werden“ geht in dieser Phase des bevorstehenden Todes. Sie konnte in Frieden gehen, sie hat in ihrem Sterben etwas ganz Lebendiges entgegegengesetzt: Ihr Leben im Hier und Jetzt, Ihre Kraft, Ihr „sich annehmen und sich selbst lieben“. Das hat mich zutiefst berührt und beeindruckt.

Hier der Link zu meinem Blogpost: Das Erste und das Letzte.

4.4. Roswitha Markgraf: Wenn wir uns dann ALLE wiedersehen

Auch Roswitha, verwaiste Mutter, teilt einen Traum mit uns. Es sind wohl die Traumbilder, die uns bei den Fragen durch die Welten zwischen Leben, Tod und Leben führen- von einer Kraft zur nächsten.

*************

Ich muss ja die Einladungen noch wegbringen.

Vorher:

Nebel… eine tosende Trauerwelle hat mich verschluckt, und in die Tiefe gezogen.

Ich weiß nicht mehr wo oben und unten ist. Die Zeit steht für mich einen Moment still. Bis mich die Welle wieder ausspuckt. Ich bin verrückt! Das Meer hat mich verschluckt und an einer anderen Stelle wieder ausgespuckt … verrückt eben!!!

Ich öffne die Augen und seh‘ alles wie im Nebel.

Wisst Ihr eigentlich, dass NEBEL rückwärts gelesen LEBEN ergibt !

Ich steh auf, weil ich da etwas gesehen habe; eine Allee und am Ende dieser Allee da steht sie … meine Villa … ich habe diese Villa schon oft betreten ( im Traum 🙂 ).

Heute wahrscheinlich für lange Zeit das letzte Mal … warum ? … irgendetwas fühlt sich heute anders an als sonst.

Ich steige durch ein Zeitfenster in die Villa ein und knarzend öffnet sich eine Tür. Ich schau mir alle Zimmer an, und fang gleich an aufzuräumen und zu renovieren. Aber immer wenn ich gerade mit einem Zimmer fertig bin, öffnet sich wie von Geisterhand die nächste Tür und zum Vorschein kommt noch ein Zimmer, das ich erst renovieren muss, bevor ich jemand reinlassen kann. So öffnete ich Tür um Tür und ich renovierte Raum für Raum, bis ich keine verschlossenen Türen mehr fand.

Jetzt kann ich endlich die Einweihung meiner Villa planen. Es wird ein riesen Fest geben, mit einem Büffet, Musik, Stimmengewirr und fröhlichem Gelächter. Ein schönes befriedigendes Wiedersehen mit ALLEN !!!

Aber vorher muss ich noch die Einladungen unter die Leute bringen. Ich mach mich also mit einem Rucksack auf den Weg. Ich laufe über die große Wiese vor meiner Villa … warum habe ich eigentlich keine Schuhe mehr an ? Ach egal, das weiche durchmooste Gras trägt mich und ich fühle mich federleicht. Am Waldesrand sehe ich mich noch einmal um. Meine Villa erstrahlt und ich merke sie macht sich schick für den großen Ball der mir zu Ehren stattfinden wird … wenn ich wieder zurück bin.

Jetzt aber los !
Ich laufe durch den Wald, rieche das Moos und die Pilze, da vorn ist eine Lichtung und ich trete hinaus. Ich seh einen Bach, glasklar das Wasser. Sprudelnd und glucksend bahnt er sich seinen Weg durch die von der Sonne glänzenden großen und kleinen Kieselsteine.

Ich würde so gerne meine Füße in das klare Wasser halten und einen Moment am Rand sitzen bleiben, aber ich darf jetzt nicht soviel Zeit vertrödeln, ich hab ja noch ein ganz schön schweres Stück Weg vor mir. Also überquere ich schnell den kleinen Steg um dann den Hang hoch zu krakseln. Tausendschön und Butterblümchen, Löwenzahn und Sauerampfer kitzeln mich an meinen nackten Füßen. Weiterlesen

Buchtipp: Dieser Mensch war ich

51U-N7jgE1L._SX332_BO1,204,203,200_Eine treue Blogleserin hat uns dieses Buch empfohlen. Sterbende erzählen am Ende ihres Lebens über ihr Leben. Einfach wie das Leben war.

Christiane zu Salm, die Autorin, ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin und hat ein sehr lesenswertes Vorwort geschrieben.

Hier können Sie im Buch schmökern  und es beim Buchhändler Ihres Vertrauens bestellen.

Was werden Sie am Ende Ihres Lebens erzählen? Werden Sie zufrieden gewesen sein? Werden Sie alles richtig gemacht haben? Werden Wünsche offen geblieben sein? Sie merken: Ich schreibe im Futur II.

 

17.11. Petra Ulbrich (Piri) : Warum lebe ich überhaupt?

von Piri

von Piri

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.

Mascha Kaléko – meine Lieblingsdichterin – sie schrieb dieses Gedicht: Einmal sollte man! – ich weiß nicht wann. Es ist auch nicht wichtig!

Als mein Mann vor drei Jahren so plötzlich starb, kam es mir vor, als ob er endlich auf seine langersehnte Reise gegangen war. Er war einfach nicht mehr da, ließ mich mit zwei behinderten Menschen allein – mit unseren Kindern – und machte sich einfach aus dem Staub!

Mein Loch war riesig groß in das ich gefallen bin, Zorn hatte ich und Wut. In einem anderen Gedicht von Mascha heißt es: Doch mit dem Tod der andren musst du leben. Doch, wie weiterleben? Nach so einem Verlust? Alleine, mit finanziellen Sorgen und zwei schwerstmehrfachbehinderten Junioren? Ich kam mir sehr alleingelassen vor, niemand aus meiner Familie hat mir geholfen – alle taten sehr betroffen, hielten sich aber fein im Hintergrund.

Endlich waren wir wieder Zuhause, in unserer gewohnten Umgebung, fern ab der Ursprungsfamilie. Die Junioren hatten ihre Freunde, ihre Werkstattarbeit und ihre Band. Alles sollte so normal, wie möglich sein. Ich hatte viel zu regeln und musste mich in Dinge einarbeiten, die ansonsten mein Mann gemacht hat. Leben war das nicht – eher ein funktionieren. Ich habe mich verkrochen, hab das gemacht, was Weiterlesen

Lebe ich so, dass ich stündlich sterben könnte?

von Ellen Löchner: Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis - unter diesem Motto belichtete sie getrocknete Pflanzen direkt ins Sieb und druckte sie auf altes Leinen.

von Ellen Löchner: Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis – unter diesem Motto belichtete sie getrocknete Pflanzen direkt ins Sieb und druckte sie auf altes Leinen.

Ellen Löchner hat mich bei meiner Suche nach einer Antwort auf diese Frage inspiriert. Wie lebt man, wenn man sich seiner Endlichkeit WIRKLICH bewusst ist? Verändert sich etwas? Verändert man etwas?

Ich schätze Ellen seit Jahren als Wegbegleiterin und Netzwerkpartnerin. Meinen Artikel über die Löffelliste hat sie wie folgt kommentiert (ein Auszug): „Tatsächlich versuche ich, jeden Tag so zu leben, als könnte es der letzte sein, aber erst, seit mir das wirklich WIRKLICH klar ist. Vielleicht ist das der Knackpunkt, dass es eine persönliche Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit geben muss. Die kann man nicht planen, und sie ist unangenehm.”

Es ist ihr WIRKLICH klar geworden .. durch eine persönliche Erkenntnis, die nicht planbar ist und nicht angenehm. Ich glaube ihr sofort!

Ich frage mich, ob ich ohne eine solche unangenehme Erfahrung so bewusst leben kann, als wenn es mein letzter Tage wäre. Ich nähere mich dabei den Antworten und einer Lebenshaltung, die dem entsprechen könnte. Es ist nach wie vor ein Annähern. Es ist ein Üben, ein Einüben dieser Lebenshaltung: es kann stündlich vorbei sein.

Eine Antwort, warum man sich vorm Thema „Sterben“ und seinen Antworten hierzu fürchtet, ist wahrscheinlich ganz schlicht: Weiterlesen

Noch mal leben vor dem Tod

DownloadedFile-12Meine Freundin Petra hat mich am Wochenende auf dieses Buch aufmerksam gemacht.

Dazu fallen mir zwei Dinge ein. Zum einen wollte ich längst zu einem Zitat schreiben, das ich in einem der Bücher von Claudia Cardinal entdeckt habe. Und ich habe mit meinem Mann über die Endlichkeit des Lebens diskutiert. Mich beschäftigt die Frage: Fangen wir an, etwas in unserem Leben zu verändern, wenn uns das Lebensende wirklich bewusst wird? Wenn uns die Endlichkeit unseres Lebens wirklich durchdrungen hat? Ich habe ja schon mal dazu geschrieben, dass ich mir sicher bin, dass wir achtsamer, vorsichtiger und präsenter mit unserem Leben umgehen, wenn wir das realisieren.

Ich habe Respekt und Furcht vor der Krankheit Krebs, die eben oft unheilbar ist und mit dem Tod endet. Wir sterben weil wir alt werden, weil wir einen Unfall erleiden, weil wir unheilbar erkranken. Das trifft Jung und Alt, Menschen in meinem Alter. Weiterlesen