Kompost oder Sondermüll ?

6A6C7C0C-F568-488D-BA57-B2CE11BAEBF7Mit einem Freund war ich heut Mittagessen, der gerne auch darüber spricht, sich das Leben zu nehmen. Er kokettiert einerseits. Andererseits weiß ich um seine düstere Seele. Ich denke aber immer wieder und sagte ihm: „Du liebst doch das Leben“.

Das kommende Wochenende wird er bei einem Almabtrieb dabei sein … das finde ich höchst lebendig und naturnah.

Und während wir so sprachen über die Ausstellung im Friedhof Forum, über die ich in den letzten Artikeln geschrieben habe, fragte er zum Thema „Das was bleibt“:

Will ich als Toter Kompost oder Sondermüll sein?

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28.11. Gitte Härter: Warum ist es mir eigentlich nicht egal, was mit meiner Leiche passiert?

ghaerter2Ich habe keine Angst vorm Tod. Eher noch vorm Sterben. Wie wohl jeder wünsche ich mir, dass es schnell geht. Am besten mal in Ruhe einschlafen. Oder bei einem Unfall zackbumm.

Wenn ich sterbe, bin ich tot.

Für mich gibts keine Wiedergeburt, keinen Himmel und keine weiterlebende Energie, die rumschwirrt. Ich fände es reizvoll, als Geist oder Zombie wiederzukehren, aber seien wir mal realistisch.

Asche zu Asche. Staub zu Staub.

Kurioserweise bin ich trotz dieser Überzeugung völlig irrational, was meine Leiche angeht.

Organ- vs. Körperspende

Meine Mutter findet den Gedanken an Organspende schrecklich. Darum habe ich schon vor einigen Jahren damit angefangen, meiner Familie gegenüber immer wieder mal zu betonen, dass ich ausgeschlachtet werden will. Ich glaube, ich habe sogar dieses drastische Wort benutzt, damit mein Wunsch eindeutig ankommt.

Klingt makaber? Mag sein, doch ich weiß: Wenn es wirklich dazu kommen sollte, dass meine Eltern oder mein Bruder diese Entscheidung treffen müssen, dann sind sie in einer stressigen Extremsituation. Und da möchte ich nicht, dass sie groß überlegen oder hadern. Sie sollen eindeutig wissen, was ich gerne möchte. Denn dann ist so eine Entscheidung kein Konflikt mehr, sondern gibt die Sicherheit, ohne zu zögern mit einem klaren „Ja, und zwar alles“ zu antworten. Mit dem wichtigen Gefühl, etwas für mich zu tun.

Da verhalte ich mich einerseits also ganz praktisch und drastisch: „Nehmt alles von mir, was man brauchen kann. Rettet meine Ersatzteile für andere, die sie brauchen.“

  • Keine Romantik, von wegen „nicht das Herz“,
  • kein Grusel bei „klar, auch die Augen und die Haut“.

Warum würde ich aber niemals eine Körperspende machen? Mich am Stück für Lehre und Forschung nutzen lassen? Rettet doch genauso Leben, nur anders. So gesehen sogar nachhaltiger.

Ich glaube, es hat mit Scham zu tun. Der Gedanke, dass kalt und starr unbekleidet auf irgendwelchen Tischen liege. Von Studenten angeschaut und aufgeschlitzt werde, womöglich stückweise nach und nach Zeug rausgeschnitten wird, und dann wieder für eine Weile in den Kühlschrank bis die nächsten kommen, ist mir nicht angenehm.

Auch Plastination finde ich völlig entsetzlich. Ein Ausstellungsstück, womöglich noch albern hindrapiert und ohne Haut, so dass man die Muskeln sieht. Vielleicht am Schreibtisch sitzend und tippend. So sieht eine Autorin im Querschnitt aus. Und dann pilgern Leute vorbei, die Eintritt bezahlt haben, lachen oder gruseln sich und machen Selfies mit mir.

Verwesen vs. verbrennen

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