1.12. Zurückgeblickt: Unsere November-Blogaktion

Einen Monat lang haben Bloggerinnen und Blogger, uns bekannte und ganz neue Menschen sich einer eigenen Frage zum Sterben gestellt. Es gab Humorvolles und Berührendes, Abwegiges und Dinge, über die sich so ziemlich jede/r genauso Gedanken macht – sie reden nur (noch?!) nicht drüber.

Mit unserer Aktion und unserem Blog verfolgen wir dieses eine Ziel: Wir möchten Menschen anstubsen, mit anderen über Fragen rund ums Sterben zu sprechen. Das ist uns gelungen :-). Wir hatten richtig viel Besuch! Toll!

Im Rückblick haben wir uns dies zu unserer Blogaktion gefragt:

Was hat dich überrascht?
Annegret: Meine Güte, es gibt echt einen Sterblichkeitsrechner, mit dem ich meinen voraussichtlichen Tod berechnen kann!

Petra: Zunächst wie schleppend es begonnen hat. Ich befürchtete, dass vor allem Annegret und ich schreiben würden über die Fragen, die uns beschäftigen. Deshalb freute ich mich von Tag zu Tag mehr über das Interesse und dass wir dann doch nicht den November ausdehnen mussten auf den 31., 32., 33. ;-).

Gittes Frage hat mich am meisten überrascht: Darf ich eigentlich über einen Toten auch weniger Gutes sagen? Ja, erlaube ich mir jetzt auch.

Woran knabberst du noch?
Annegret: An Exit. Ich habe in diesem Monat viel und kontrovers über assistierten Suizid diskutiert. Ich bin überrascht, wer alles dafür ist.

Petra: Wie es ist, wenn der Selbstmord nicht gelingt Weiterlesen

30.11. Corinne Dobler: Ist Selbstmord ok?

IMG_4974_2Ich schreibe diesen Blog zwar als Pfarrerin, mehr aber aufgrund der Erfahrung, die ich gemacht habe, als ich kürzlich eine Frau in den Freitod begleitete. Meine Sichtweise ist also eine nur meine ganz persönliche, die sich aufgrund dieser einzelnen Erfahrung verändert hat. 

Bisher hielt ich einen begleiteten Selbstmord in ausserordentlichen Fällen für „ok“: Wenn das Leiden grösser ist als der Lebenswille…welche andere Lösung kann es da noch geben? Doch nach der Begleitung dieser Frau bin ich mir da nicht mehr so sicher.  

Ich lernte sie in den letzten Wochen ihres Lebens kennen und bekam einen Einblick in ihr von körperlichen und psychischen Krankheiten geprägtes Dasein. Es gab nur noch Aussicht auf Verschlechterung, und darum verstand ich sie, als sie mir sagte: „Ich kann und will so nicht weiterleben. Ich will nicht als Pflegefall enden und wer weiss wie sterben müssen!“ Ich spürte aber bei meinen Besuchen, dass neben den unheilbaren Krankheiten noch mehr war, das sie quälte: Ihre Einsamkeit, ihr Gefühl nicht verstanden zu werden, misslungene Beziehungen zu ihren Mitmenschen und das Gefühl, keinen Nutzen mehr für diese Welt zu haben. Für sie war ihr Leben ein Leben in einer Sackgasse. Und der selbstgewählte Tod erschien ihr als Ausweg.  

Ich vermute, dass es letztlich ein Schamgefühl war, das ihren Todeswunsch nährte: Die Scham für ihre Bedürftigkeit, ihre Beziehungslosigkeit, ihr Angewiesensein auf andere. Sie konnte und wollte sich in dem Zustand, in dem sie sich befand, ihrer Umwelt nicht mehr zumuten.  

Falls meine Vermutung wirklich stimmt, kann ich dem Selbstmord als tolerierte Option in unserer Gesellschaft nicht mehr so einfach zustimmen. Bringt sich da nicht plötzlich jemand um, weil er selbst für untragbar, für unzumutbar hält? Scheidet er aus dem Leben, weil er sich schämt, sich seinen Mitmenschen so zu zeigen, wie er ist: Unselbständig, hilfsbedürftig und abhängig? Hat Hilfsbedürftigkeit in unserer Gesellschaft, welche die Autonomie des Einzelnen zum höchsten Gut erhoben hat, keine Berechtigung mehr?  Weiterlesen

29.11. Christine Kempkes: Andere Länder, andere Sitten – wie leicht darf Gedenken sein?

Kaukasus Collage

Kaukasus Collage von Christine

Angeregt durch Petra’s November-Newsletter „Leicht über’s Sterben reden“ und ein inspirierendes Gespräch mit ihr per Email freue ich mich, bei dieser Blog-Aktion dabei zu sein.

Nicht erst im Zusammenhang mit dem Tod meines Vaters in diesem Jahr habe ich hierzulande häufig erlebt, wie schwer wir uns tun, den Tod ins Leben zu lassen. Geschweige denn, ihm eine gewisse Leichtigkeit abzugewinnen. In den letzten Monaten habe ich oft darüber nachgedacht, woran dieses „Totschweigen“ des Themas (Was für ein Wortspiel!) wohl liegen mag. Meine Antwort: uns fehlen „leichte“ Rituale!

In anderen Ländern sieht das anders aus – wie wir in diesem Blog schon an anderer Stelle lesen konnten. Und so möchte ich heute erzählen, was ich auf meinen Reisen nach Armenien und Georgien erleben durfte. Hin und wieder begleite ich meinen Mann im Rahmen eines caritativen Projektes auf seinen Reisen in den Kaukasus. Über die Jahre sind dort Freundschaften gewachsen mit Menschen, deren Gastfreundschaft immer wieder überwältigend für mich ist.

In Armenien und Georgien trifft man sich bei Tisch nicht nur, um zu essen und zu trinken – das Mahl ist kein Selbstzweck. Menschen treffen sich, Weiterlesen

27.11. Maureen Wyse: Kennst Du den Soundtrack deiner Beerdigung?

„Hä? Wie soll ich das denn wissen?“ fragt Susi. „Mit sowas Düsterem beschäftige ich mich besser gar nicht. Wenn ich nur daran denke, fallen mir so makabere Worte wie „Leichenschmaus“ ein. Wie kann man sich da überhaupt in Ruhe den Bauch vollstopfen? Ausserdem denke ich dann an lauter schwarz gekleidete, vor Gram gezeichnete, humorlose Menschen.

Es herrscht einfach eine Grabesstimmung!“

Ich schaue sie ungläubig an. Susi lenkt ein..

“Na ja, ist ja auch eine Trauerfeier. Wo, wenn nicht dort, darf eine Grabesstimmung herrschen. Eigentlich logisch..“

Sie nippt nachdenklich an ihrer Kaffeetasse…

„Ich habe mal gelesen, dass der Mensch sich entweder von etwas weg oder zu etwas hin bewegt. Eine Trauerfeier ist definitiv etwas, von dem ich mich weg bewegen will.

Und da kommst du mir mit Soundtrack??? Also Weiterlesen

25.11. Gabriele Panning: Lässt sich der Tod ins Leben lachen?

Lebensfaden

Lebensfaden

Was für eine Frage…?!

Ehrlich gesagt bin ich mir wirklich nicht sicher, ob das meine heimlichste Frage zum Thema Tod ist…. Doch sie fiel mir sofort ein, als ich von der Blogparade im Totenhemd Blog erfahren habe.

Damals….

Wie um alles in der Welt komme ich zu einer solchen Frage?

Im Mai 2010 war mein Leben innerhalb weniger Stunden in den Ausnahmezustand gerutscht. Meine Mutter lag auf Intensivstation im künstlichen Koma. Wenige Stunden nach einer „normalen“ Bypass-OP zeigte sie wohl erste Anzeichen von Schmerzen, worauf „man“ ihr Novalgin verabreichte. Gabrieles Artikel in ihrem Lebenskunst-Blog weiterlesen.

Danke Gabriele für Deine Gedanken.

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23.11. Christiane Frohmann: Warum habe ich als Kind meinen Eltern nichts von meiner Todesangst verraten?

Christiane und Opa

Christiane und Opa

Mein Großvater begann irgendwann, mir davon zu erzählen, wie es im Mittelalter im Rheinland gewesen war. Diese düsteren Geschichten müssen mich sehr früh erreicht haben, vermutlich mit vier oder fünf Jahren, denn ich war sechs, als er starb. So wurde ich ungewöhnlich jung zur Expertin für Hexenverbrennungen, Siechhäuser und den Umgang mit Leprösen. Mein Großvater muss auch ein guter Erzähler gewesen sein, denn ich war in einer Weise von seinen Schilderungen erfüllt, die meinen ahnungslosen Eltern nicht gefallen hätte.

„Zähl ein…und…zwan…zig, Kind, dann hast du eine Sekunde, in dieser Zeit stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch.“

Ich hatte Angst vor dem Tod, aber ich war auch sehr fasziniert, ästhetisch gab es nichts Interessanteres für mich. In jeder auf Reisen besuchten Kirche führte mich mein erster Weg in die Krypta, und sehenswert waren in meinen Augen allein Kirchen mit juwelengeschmückten Heiligenskeletten oder vergleichbar glamourösen Reliquien.

Dank meinem Großvater wusste ich im Kindergartenalter auch schon bestens über lebensbedrohliche Infektionen und Krankheiten Bescheid. So kam es, dass ich lange Jahre jeden Abend betete: „Lieber Gott, bitte mach, dass ich nicht Tollwut, Pest, Aussatz oder Wundstarrkrampf bekomme.“ Saß ich in der Badewanne, überlegte ich, ob das Wasser womöglich glühend heiß wäre und ich dies nur nicht spüren könnte, weil ich Lepra hatte. Ich stellte mir vor, wie mir die Nase abfiele oder ein Arm. Bei jedem noch so kleinen Kratzer dachte ich Wundstarrkrampf … Blutvergiftung … entsetzliche Schmerzen … Tod. – Sah man schon einen blauen Streifen meinen Arm entlanglaufen? – Dabei war ich gegen Tetanus geimpft. Aber wer wusste schon, wie verlässlich so ein Impfschutz war. Die Pest blieb merkwürdig opak in meinen Todesphantasien, war aber unverzichtbar in der Gebetskonstellation. Meine größte Angst aber war, im Wald einem zahmen Reh zu begegnen, denn ein nicht scheues Wildtier, so hatte mein Großvater mich gelehrt, sei mit höchster Wahrscheinlichkeit tollwütig. Und so wartete ich, während die damals noch überall in Europa zu findenden Tollwut-Warnschilder als Booster für meine Einbildungskraft wirkten, auf ein niedliches Reh mit Schaum vorm Mund, das mir den Garaus machen würde. Der Tollwuttod, das wusste ich, war der grässlichste, der qualvollste, der unausweichlichste aller Tode. „Kletter einfach schnell auf einen Baum“, hatte mein Großvater mir für den Ernstfall geraten, aber es war genau dieses „einfach“, das sich im Geiste gegen mich wandte, denn ich fürchtete, gar nicht schnell genug auf einen Baum klettern zu können.

Als mein Herz wuchs, schmerzte es gelegentlich, insbesondere in der Gegenwart von Weihrauch, wie ich es einmal auf einer Beerdigung erlebte, vermutlich bin ich allergisch dagegen. Natürlich interpretierte ich dieses Herzstechen als Anzeichen meines vorzeitigen Todes. Ergeben in mein Schicksal lag ich im großelterlichen Bett unter dem leicht nach vorne geneigten lebensgroßen Gekreuzigten und trauerte. Um mich, denn der Verlust würde meine Eltern hart treffen.

Ich war also im Alter von vier bis acht Jahren in ständiger Todesangst oder -gewissheit, allerdings ohne darüber je ein Wort zu verlieren. Weder redete ich über meine Angst vor Tollwut, Pest, Lepra und Wundstarrkrampf noch über die quälende Gewissheit, bald einen tragischen Herztod zu sterben. Dabei vertraute ich meinen Eltern, sie hätten mir in drei Minuten alle Ängste nehmen können. Ich weiß nicht, warum ich nichts sagte, ob es ein kindlicher Determinationsglaube war – Gottes Wille, traurig, aber nicht zu ändern – oder das bereits früh ausgeprägte Gefühl, allein klarzukommen.

Heute bin ich ein weitgehend angstfreier Mensch. Ich habe durch Nachdenken verstanden, dass meine Ängste Projektionen waren, weil zu viele virtuelle Bilder in meinem an RL-(Real Life)-Erfahrungen noch armen Kinderkopf waren. Außerdem kenne ich persönlich niemanden, der an Tollwut, Pest, Aussatz oder Wundstarrkrampf gestorben ist.

Aber da ist noch eine andere Sache, die ich erst später verstanden habe, es ist fast so, als hätte ich mir selbst etwas beigebracht: das Kind, das ich war der Mutter, die ich bin. Als meine Kinder und ich vor ein paar Jahren, sie waren damals ungefähr sieben und neun Jahre alt, abends im Dunkeln nach Hause gingen, fragte ich sie, ob sie vor irgendetwas Angst hätten. – Es sprudelte nur so aus ihnen heraus. Der Große hatte ein Bild von einer zertretenen Eidechse im Kopf, das ihn nicht mehr losließ und von einer Szene aus einem Harry-Potter-Film, den er heimlich angesehen hatte. Der Kleine berichtete von schrecklichen Alpträumen, in denen seinem Bruder von einem Oger der Kopf abgebissen wurde. Ich konnte ihnen diese Ängste teilweise oder ganz nehmen, indem ich ihnen erklärte, wie solche peinigenden Bilder entstehen und wie man sie rational bearbeiten kann. Seitdem frage ich meine Kinder regelmäßig nach ihren Ängsten, seitdem erzählen sie mir aber früher oder später auch selbst, wenn sie etwas ängstigt oder bedrückt.

Auch meine Eltern hätten einfach nur fragen müssen. Ohne von meinen Ängsten zu wissen. Das ist so paradox wie einfach.

Die Gralsfrage gibt es auch in Kindergrößen.

Danke, liebe Christiane für diesen interessanten und wichtigen Beitrag.

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22.11. Eveline Stalder: Was wird mal auf meinem Grabstein stehen?

Lebenskreis

Lebenskreis

Vor Jahren besuchten wir in Kramsach, Tirol, einen Museumsfriedhof. Dort befinden sich Inschriften und Sprüche, die humorvolll und teilweise auch sehr skuril sind. Sie stammen vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert, und es scheint, dass die Menschen in dieser Zeit noch eine andere Beziehung zu Tod und Sterben hatten. Bei unserem Rundgang mussten wir nicht nur schmunzeln, sondern oft auch laut lachen. Bei einigen Inschriften oder Sprüchen erschloß sich der Sinn erst beim zweiten Mal lesen:

„In diesem Grab liegt Unich Peter. Die Frau begrub man hier erst später. Man hat sie neben ihm begraben. Wird er die ewige Ruh nun haben?“ 

Bitte hier weiterlesen im Blog von Eveline Stalder.

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19.11. Uwe Hauck: Wieso bringen sich so viele Depressive um?

uweNicht ganz einfach zu beantworten, da man dazu vermitteln können müsste, wie dunkel, wie hoffnungslos die pure Existenz für einen depressiven Menschen sein kann. Es fühlt sich nicht an wie der Winterblues oder die Trauer, wenn man einen geliebten Menschen verliert. Es ist tiefer, dunkler, beängstigender.

Und es ist oft der einzige Ausweg, den man als Depressiver noch sieht, der letzte Punkt, an dem man selbst noch Kontrolle hat. Kontrolle über sein Leben, die man den Rest der Zeit längst an die Depression abgegeben hat.

Depressive Menschen wollen nicht tot sein. Sie wollen nur das Leben nicht mehr, das ihnen in dem Moment so viele Schmerzen bereitet. Und sie sehen in eben diesem Moment keinen anderen Weg mehr. Der Schmerz ist so groß geworden, dass er alles überlagert.

Ein depressiver Mensch will mit seinem Tod niemandem weh tun, im Gegenteil, in den allermeisten Fällen denkt er, dass alle um ihn herum ohne seine Existenz besser dran wären. Selbst wenn er eigene Kinder hat, eine Partnerin. Auch sie sind nach seinem Empfinden ohne ihn besser dran. Auch die, deren Versuch scheitert, wollten sich töten. Dieser dumme Spruch, das war doch nur ein Hilferuf entwertet die schwere ihrer Krankheit. Nein, es war kein Hilferuf, es war ein klares Zeichen, dass man nicht mehr kann, nicht mehr will, einfach nicht mehr die Kraft hat, weiter gegen den Dämon Depression zu kämpfen.

Es ist, trotz aller Verzweiflung ein durchaus schönes Gefühl, am nächsten Tag lebend aufzuwachen.

Aber nur kurz. Dann bereut man, dass man es nicht geschafft hat. Weil der Dämon schon vor der Tür wartet.

Herzlichen Dank und happy birthday an Uwe Hauck, www.livingthefuture.de. 

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18.11. Kati Schmitt-Stuhlträger: Gibt es DEN schönen Tod?

Ein schöner Tod?

„Er ist friedlich eingeschlafen. Was für ein schöner Tod.“
„Sie hatte keine Schmerzen. So einen schönen Tod wünsche ich mir auch.“

Gibt es einen „schönen“ Tod?

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Mein erster Gedanke ist: Dieser Mensch ist tot. Nimmt nicht mehr an unserem Leben teil. Sieht nicht sein Kind oder Enkelkind aufwachsen. Wird nicht mehr an einer Blume riechen und auch keinen Schnee mehr fallen sehen. Er ist fort – für immer. Das ist nicht SCHÖN! Das ist furchtbar! Jedenfalls für mich. Natürlich bin ich froh, dass er friedlich eingeschlafen ist oder sie keine Schmerzen hatte. Aber das Wort „schön“ würde ich dafür nicht verwenden.

Auch in meinem Synonymwörterbuch finde ich nichts, was ich in Verbindung mit dem Wort Tod verwenden würde: schoen-synonyme-totenhemd-wortmarketing

Eine Blume ist schön. Oder ein Gemälde. Ein Augenblick kann unheimlich schön sein. Oder eine Aussicht. Aber ein Tod oder die Umstände, die dazu geführt haben … wie „es“ passiert ist oder vonstattenging? Nein, ich kann mich nicht damit anfreunden, die beiden Wörter „schön“ und „Tod“ miteinander auszusprechen.

Ich lasse diesen Satz in meinem Sprachgebrauch lieber weg. Und wie ist es mit Ihnen?

Welche Gedanken haben Sie zu dieser Wortkombination?

Kati schreibt in ihrem Blog „Wortmarketing“.

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17.11. Petra Ulbrich (Piri) : Warum lebe ich überhaupt?

von Piri

von Piri

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.

Mascha Kaléko – meine Lieblingsdichterin – sie schrieb dieses Gedicht: Einmal sollte man! – ich weiß nicht wann. Es ist auch nicht wichtig!

Als mein Mann vor drei Jahren so plötzlich starb, kam es mir vor, als ob er endlich auf seine langersehnte Reise gegangen war. Er war einfach nicht mehr da, ließ mich mit zwei behinderten Menschen allein – mit unseren Kindern – und machte sich einfach aus dem Staub!

Mein Loch war riesig groß in das ich gefallen bin, Zorn hatte ich und Wut. In einem anderen Gedicht von Mascha heißt es: Doch mit dem Tod der andren musst du leben. Doch, wie weiterleben? Nach so einem Verlust? Alleine, mit finanziellen Sorgen und zwei schwerstmehrfachbehinderten Junioren? Ich kam mir sehr alleingelassen vor, niemand aus meiner Familie hat mir geholfen – alle taten sehr betroffen, hielten sich aber fein im Hintergrund.

Endlich waren wir wieder Zuhause, in unserer gewohnten Umgebung, fern ab der Ursprungsfamilie. Die Junioren hatten ihre Freunde, ihre Werkstattarbeit und ihre Band. Alles sollte so normal, wie möglich sein. Ich hatte viel zu regeln und musste mich in Dinge einarbeiten, die ansonsten mein Mann gemacht hat. Leben war das nicht – eher ein funktionieren. Ich habe mich verkrochen, hab das gemacht, was Weiterlesen