Gestern mit meinem Vater eine Reval geraucht

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Gestern Abend hatten wir Besuch. J war da. Er war einige Monate in Guatemala und wollte uns Fotos zeigen. Ich hatte lecker gekocht. Zwischendurch geht er immer mal auf Balkonien um zu rauchen. Ich erzählte ihm von meinem Blogpost über Sucht. Eine Anregung aus dem Buch von Doris Dörrie: Leben Atmen Schreiben. „Schreib über deine Sucht“. Darin kommt auch mein Vater vor, der ein Leben lang Reval geraucht hat.

Ich erzählte J, dass ein Päckchen Reval beim Foto meines Vaters liegt. Ob er nicht Lust hat mit ihm eine zu qualmen? Er fand das Weiterlesen

Prost, mein Pa.

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Prost Pa.

Wenn ich an meinen Vater denke, dann denke ich zuerst an seine Reval, die er geraucht hat. Zwei bis drei Päckchen täglich. Solange ich ihn kannte. Reval sind filterlose Zigaretten in einer orange-farbenen Verpackung. Außerdem hat er gut und gerne Rotwein getrunken und konnte so manche Tafel Schokolade verputzen.

Wenn ich könnte wie ich wollte, dann würde ich meine FreundInnen einladen zum Wandern in der Heimat. Dann würden wir in Ebernburg an sein Grab gehen und auf ihn trinken. Beziehungsweise würden wir miteinander trinken: ein Gläschen Rotwein und vielleicht ein Stück Schokolade essen (diese Kombi könnte leider zu Migräne führen 😦 ).

In einem nahen Gasthaus würden wir dann lecker essen gehen und weiter Rotwein trinken. An unserem Tisch wäre ein Platz für meinen Vater gedeckt.

Er war ja durch und durch Gastwirt. Am Ruhetag unseres Hotel-Restaurant-Betriebes sind wir immer essen gegangen und haben uns verwöhnen lassen. Sein Lieblingsgericht, das wir alle sehr gern mochten: Rumpsteck medium gebraten, mit Kräuterbutter und Zwiebeln, einem leckeren Salat und Pommes.

Wenn ich mit meinen FreundInnen dann nach diesem ErinnerungsEssen einen kleinen Schwips hätten, würden wir noch einmal zu seinem nahen Grab gehen. Inzwischen ist dunkle Nacht und der Mond leuchtet hell. Dann würden wir ihm ein Lied singen – er wollte immer Opernsänger werden und wir würden ihm Schillers Glocke aufsagen oder vorlesen. Immer wieder hat er mir die Strophen aufgesagt. Als er Schüler war musste er dieses Gedicht von Schiller auswendig lernen. Was eine Herausforderung! Ich würde wenigstens die erste Strophe/den ersten Absatz auswendig lernen …

…. oder die letzte?

Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft,
Daß sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft!
Ziehet, ziehet, hebt!
Sie bewegt sich, schwebt.
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sey ihr erst Geläute.

Für meinen toten Vater eine Reval

Foto-1Mein Vater hat sein Leben lang Reval geraucht. Das sind filterlose Zigaretten. Hmm … so zwei Päckchen täglich hat er geraucht bis ins hohe Alter. Nur in den letzten Tagen vor seinem Tod wollten sie ihm nicht mehr so richtig schmecken.

Ihm jetzt – dem Verstorbenen – Zigaretten hinzulegen, ihm eine Reval anzuzünden – auf die Idee hat mich die Autorin Claudia Cardinal gebracht. Was schmeckt das schrecklich, mal eben an einer Zigarette ziehen. Brrrr. Aber ihm hat’s jahrelang geschmeckt und deshalb zünde ich ihm immer mal wieder eine an … stecke sie dann in die Erde draußen und ich hoffe, er genießt sie dann in vollen Zügen. Am nächsten Tag ist der Glimmstengel auf jeden Fall kleiner geworden.