Sarah Connor: Das Leben ist schön (2015)

Ein heißer Sommertag im August 2022. Einige Menschen in dunkler, so ganz und gar dem Wetter unangepasster Kleidung steigen aus der U-Bahn Implerstraße in München-Sendling. Allein oder zu zweit folgen sie der Straße, biegen ab, auf dem Vorplatz der Sendlinger Himmelfahrtskirche gesellen sie sich zu anderen, die dort bereits warten. Einer davon ich. Wir begrüßen einander: Ehemalige Kollegen, Bekannte, Fremde. Es gilt Abschied zu nehmen von einem Kollegen mit dem ich zwanzig Jahre zusammengearbeitet habe. Zeitweilig haben wir Tür an Tür gesessen, viele Mittagspausen miteinander verbracht, auch Geschäftsreisen. 2019 ging er in Rente, 2022, nur drei Jahre danach, erreichte uns die Todesnachricht. Während der sehr emotionalen und sehr schön gestalteten Trauerfeier greift die Tochter ihre Gitarre und stimmt ein Lied von Sarah Connor an.

Mit ruhiger Stimme singt die junge Frau ein Lied, gefasst, zumindest in diesem Augenblick, für viele Trauergäste ist das der wohl ergreifendste, emotionalste Moment des Gottesdienstes.
Während die Tochter Zeile um Zeile von ihrem Vater Abschied nimmt und ihn auf ganz wunderbare Weise würdigt, schnürt es vielen von uns (noch einmal) das Herz zusammen. Weiterlesen

Sucide? – Zwei besungene Selbstmorde (1974/1976)

Da wacht morgens einer auf, spürt eine Eiseskälte in sich und eine schmerzhafte Einsamkeit eines verlassenen Menschen. Und er entscheidet sich angesichts dieser endlosen Leere und Stille in sich, seinem Leben ein Ende zu setzen.
So besingt es John Lees – Leadsinger und Kopf der britischen Rockband Barclay James Harvest in dem Song Suicide, veröffentlicht auf der LP Octoberon 1976. Barclay James Harvest dürfte den Älteren noch vertraut sein – lieferten die Briten doch die perfekte Musik, um in den Discos (so hieß das damals) das Licht runterzufahren, damit in der schummrigen Beleuchtung heftig geklammert werden konnte. Wer achtete da schon auf die Texte zum Beispiel von Poor Man’s Moody Blues, in dem eigentlich der gleiche Seelenschmerz besungen wird wie in Suicide?

Suicide? beschreibt die letzten Momente im Leben eines Menschen, der seinem Leben ein Ende setzen will, mit dem Fahrstuhl auf das Dach eines hohen Hauses fährt, dort am Sims steht – und schließlich springt…

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Puhdys: Wenn ein Mensch lebt (1973)

Die Älteren erinnern sich vielleicht noch, vor allem die Menschen, die in der DDR groß geworden sind – vielleicht auch einige, mit tiefergehendem cineastischen Wissen und Interesse.
1973 kam in der DDR Heiner Carows Film Die Legende von Paul und Paula in die Kinos. Viel Diskussionen und Streit gab es darum. der Film sollte eigentlich gleich unter Verschluss genommen werden, aber Erich Honecker gab persönlich seinen Segen, dass der Film gezeigt werden konnte. Es wurde ein Riesenerfolg in der DDR, über 3 Millionen Zuschauer lockte er in die Kinos. Unzählige Male wurde er bis in die 80er auch im Fernsehen gezeigt, erst als die Hauptdarstellerin Angelica Domröse und der Hauptdarsteller Winfried Glatzeder in den Westen gingen, verschwand der Film von den Bildschirmen.
Für Regisseur Heiner Carow war er der große Durchbruch, der ohnehin schon populäre Drehbuchautor Ulrich Plenzdorf, der im Jahr zuvor Die neuen Leiden des jungen W. veröffentlicht hatte, zeigte erneut sein Talent, die Lebensumstände der jungen Nachkriegsgeneration in die Literatur zu überführen.
Und für noch jemanden war der Erfolg des Films der ganz große Durchbruch: Die junge Berliner Band Puhdys, die zwei Songs beisteuerten. Einer wurde erst in der DDR, dann auch in der Bundesrepublik ein großer Hit, der Eröffnungssong des Film Wenn ein Mensch lebt. Bis heute gehört der Song zu meinen absoluten Lieblingsliedern, ist in einigen meiner Spotify-Playlists, was dazu führt, dass ich ihn sehr oft höre und bisweilen lautstark im Auto mitgröle.
Natürlich nur, wenn ich allein bin.
Und noch vor einigen Jahren heimste ich diverse anerkennende Blicke ein von Menschen meines Semesters, die in der DDR groß geworden sind. Sie waren überrascht, dass es auch Westler (wie ich einer bin) gibt, die dieses Lied kennen, die überhaupt davon Kenntnis haben, was einst hinter der Mauer an Pop(ulärer)-Kultur entstand und das auch noch mögen.

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100 Songs – Udo Lindenberg: Durch die schweren Zeiten

Älter und noch besser. Udo Lindenbergs neues Album kommt im April raus. Die starke Single „Durch die schweren Zeiten“ gibt es jetzt schon. Und wir haben die Freiheit, zu bestimmen, wer „Ich“ und wer „du“ sein mag.