Trauerfeiern ganz öffentlich #Taiwan

 

„Was sind das denn für große runde Tafeln, die am Wegesrand stehen?“, frage ich Simon, unseren Guide in Taiwan. Das sind Trauertafeln. In diesem Ort wird entweder getrauert oder es wird eine Trauerfeier zelebriert. Ich muss sagen, dass mich das sehr anrührt: Man fährt durch einen Ort und weiß: Hier ist jemand gestorben um den getrauert wird. Auf den Tafeln stehen gute Wünsche und Beileidsbekundungen.

Mitten auf dem Land an der Straße sahen wir das Zelt oben, in dem alles hergerichet war für eine Trauerfeier. Genauso unten mit den pinken Tischdecken an einem anderen Ort mitten in Taiwan. Es wird wie bei uns gegessen und getrunken und man bringt den Hinterbliebenen Geldgeschenke mit. Oben das Foto zeigt die eher „einfach schlichte“ Trauerfeier im Gegensatz zu dem Foto unten.

Zwischenruf: Selbstbestimmung übers Ziel hinausgeschossen?

In der kurzen Zeit, die wir hier im Blog (und in einem Blogbeitrag von Daniela Jaeggi , s.u. samt der vielfachen Diskussion dort) mit euch unterwegs sind, sind schon so viele Bilder zusammen gekommen! Ich bin beeindruckt und es arbeitet in mir. Besonders „hänge“ ich gerade an der Sache mit der Selbstbestimmung und Kontrolle bis über den Tod hinaus. Und wage hier mal einen Querschuss (wie es im Playing Arts Jargon heißt).

Wir feilen an der letzten Inszenierung. Und die soll perfekt sein. Wieso eigentlich? Trauerfeiern sind in der Regel traurig, weil es ein trauriger Anlass ist. Und wieso interessiert es uns, was die Hinterbliebenen dann machen? Das ist doch deren ganz eigene Sache, Angelegenheit, Aufgabe… was auch immer. Deren Traurigkeit oder Wut oder Erleichterung oder Freude an Erinnerungen… Ist es nicht deren ureigenstes Recht, die Trauerfeier so still oder laut zu gestalten, wie sie das brauchen? (Mal abgesehen davon, dass unterschiedliche Hinterbliebene ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was jetzt das „Richtige“ für den Anlass sei.)

Das gilt übrigens auch für so Dinge wie „was für ein Grab hätte ich gerne“. Ich erzähle mal ein lange zurückliegendes Erlebnis, das ich als Gemeindepfarrerin hatte. Ein Jugendlicher war bei einem Unfall gestorben. Merkwürdigerweise hatte er kurz zuvor gesagt, wenn er mal sterbe, Weiterlesen