Wenn der Tod aus der Kiste springt

Gestern erlebte ich eine lustige unfreiwillige Geisterbahnfahrt. Auf dem Weg von Chur nach Arosa fährt die gemütliche Rhätische Bahn hoch in die Berge. Die Fahrt dauert eine Stunde und führt durch etliche Tunnel. Interessanterweise bildete gestern am Zugende ein offener Sitzwaggon das Schlusslicht. Einige rannten zu diesem Abteil und ich dachte mir, bevor ich mich in den klimatisierten Zug setze probiere ich das doch mal aus. Ich fürchtete ein wenig, dass es zu kalt werden könnte. Der Schaffner diesbezüglich gefragt, meinte, im Tunnel könnte es frisch werden.

IMG_6552Lustig. Da sass ich also in diesem offenen Wagen. Holzbänke, deren Lehne man entweder in die eine oder andere Richtung verändern konnte, je nach Fahrtrichtung. Das Dach über mir war aus Glas. Zu früheren Zeiten, erklärte mir ein älterer Einheimischer vor mir, tropfte das Wasser vom Tunnelfelsen auf die Köpfe der Reisenden. Ich war froh um dieses Dach über mir.

Wir zuckelten los, gemütlich durch Chur und schon bald tauchten wir ein in den ersten Tunnel. Logisch, dass es stockfinster war. In den Zugabteilen vor uns brennt das Standlicht und man realisiert dort nur nebenbei, dass man im Tunnel steckt. Ich aber saß in stockfinsterer und kühler Nacht. Die Zugräder quietschten und ächzten den Berg hoch.

Ein kleines mulmiges Gefühl stellte sich ein. Wenn man so gar nichts sehen kann. Nur vorne das Licht im vorderen Waggon gab ein wenig Orientierung. Gott sei Dank sind die Tunnel immer nur kurz. Schon in der nächsten Berggabelung fährt der Zug wieder in die Helligkeit hinein um dann bei nächster Gelegenheit wieder in die Dunkelheit einzutauchen. Ein herrliches Vergnügen.

Irgendwann musste ich dann an eine Geisterbahnfahrt denken. Früher auf dem Jahrmarkt gehörte die Geisterbahnfahrt immer dazu. Ich erinnerte mich an alle möglichen schrecklichen Geräusche und Schreie. Ich schreckte auf, weil irgendwelche Geister plötzlich auftauchten oder der Tod persönlich aus einer Kiste sprang. Ich musste ja ein bisschen über meine Gedanken schmunzeln. „Wenn der Tod aus der Kiste springt“. Diese blöde Mulmigkeit, die sich da im Kopf breit macht. Geisterbahnfahren ist doch doof oder? Aber mit der Rhätischen hoch nach Arosa fahren im hintersten offenen Abteil und die Dunkelheit im Tunnel erleben das ist cool.

Gott sei Dank, tauchte die Bahn immer wieder ins gleißende Sonnenlicht. Es sprang auch kein Tod aus der Kiste ;-). Aber der Gedanke hat mir gefallen 😉 und dass ich darüber heute schreiben werde auch.

Wann bist du das letzte Mal Geisterbahn gefahren? Oder in einem offenen Zugabteil?