„Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben …“

Es nähert sich der November und mit ihm die Totentage, Allerheiligen zum Beispiel. Oder der Volkstrauertag; ein staatlicher Gedenktag für die Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen. Auf viele Friedhöfen gibt es eigene Gedenkstätten und Gräberfelder für die toten Soldaten und Soldatinnen, für zivile Personen, in KZs Ermordete oder Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen.

Oft sind es reihenweise die gleichen Steinkreuze, eins neben dem anderen im Gras. Auch das eingemeißelte Todesdatum ist oft gleich, nur die Namen unterscheiden sich. Solche Ehrengräbern haben laut Gesetz ein ewiges Ruherecht. Oft ist die Schrift so verwittert, dass man sie nicht mehr lesen kann. In manchen Ziffern und Buchstaben wachsen Moos und Flechten.

Für uns Menschen ein Anblick, bei dem man sich wie im Liedtext „Sag mir wo die Blumen sind“ fragt: Wann wird man je verstehen?

Für viele Tiere dagegen ist ein solche Kriegsgräberstätte ein lichtes Gräsermeer voller Futter mit warmen Steininseln dazwischen. 

Zum Beispiel Heuschrecken, Grashüpfer und Grillen fühlen sich hier oft wie im Paradies. Oder: Spinnen. In alten Geschichten sind Spinnen wie weise Frauen, die Weberinnen der Zeit, der Schicksalsfäden.

Spinnennetze im Morgentau oder im Herbstnebel auf dem Friedhof sind etwas anderes als Staubfänger in der Zimmerecke, nämlich eine funkelnde, glitzernde Wunderwelt. Dabei sind die Dinger eigentlich knallhart als Todesfalle konzipiert. Spinnen bauen ihre Netze ausschließlich, um Insekten zu fangen, am liebsten direkt in deren Flug- oder Landebahn oder entlang von Krabbelrouten. Ihre Wohnung haben sie abseits davon, in kleinen Spalten im Stein, in Löchern im Boden oder im Dickicht der Pflanzen an denen sie das Netz aufgehängt haben. Die Netze sind auch sehr unterschiedlich, so wie ihre Erbauerinnen.

Es gibt Baldachinspinnen, Trichterspinnen, Labyrinth-Spinnen, Kugelspinnen, die ihre Netze in mehreren locker-fluffigen Decken und Schichten übereinander weben. Je nach Größe der Spinne muss die Vegetation recht stabil sein, eine Kreuzspinne oder eine Wespenspinne gar kann ihr Netz nicht an Gras oder Veilchen aufhängen und mit ein paar Mücken kommt sie auch nicht über den Sommer. Bienen, Wespen, Heupferde oder Schmetterlinge gehören zur Jagdstrecke.

Damit die Tiere das lichte Gräsermeer und die warmen Inseln aus Stein auch nutzen können, sprich, damit hier Tiere leben können ist es wichtig, dass die Fläche zwischen den Grabsteinen kein intensiv gemähter, gedüngter und gespritzter artenarmer Zierrasen ist. Je artenreicher der Rasen zwischen den Steinen, desto besser und desto mehr Bodenlebewesen und Insekten gibt es hier. Allerdings die Kreuze sind oft eher niedrig und sie sollen ja auch nicht versinken im Gräsermeer, dementsprechend häufiger wird gemäht. An den Rändern der Ehrengrabstätte sollten aber Säume hochwachsen und auch stehenbleiben dürfen, die den Tieren dauerhaft als Refugium erhalten bleiben. Und als Besucher und Besucherin können wir unseren Beitrag dazu leisten, in dem wir uns nicht beschweren, wenn es mal nicht bis in die letzte Ecke „gepflegt“ aussieht.

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