Der tapfere Kampf gegen die Krankheit

IMG_3496Zum zweiten Mal habe ich Sabine Brönnimann, Schweizer Fährfrau, in einem Vortrag gehört. Es hat mich wieder sehr berührt. Ich werde noch dazu schreiben. Ich erinnerte mich aber daran, dass ich ihr Buch vorgestellt hatte hier im Blog. „Wenn die Zeit sich neigt“.

Aus aktuellem Anlass möchte ich einen Satz aufgreifen, den die Autorin in einem Kapitel näher beschreibt: Wer stirbt, hat versagt.

Wir alle kennen die Todesanzeigen, in denen wir lesen: „Sie hat den Kampf gegen den Krebs (leider) verloren“. So oder ähnlich lesen wir es sehr oft. Und ich möchte der Autorin zustimmen und allen krebskranken Menschen die Last nehmen (auch wenn ich das wahrscheinlich nicht kann): Du hast nicht versagt, wenn die Krebskrankheit nicht heilt. Du hast nicht versagt, wenn Du sterben musst.

Du hast vielleicht alles Mögliche unternommen, weil Du das Leben liebst, weil Du nicht sterben möchtest, noch nicht, weil Du vielleicht Mann oder Frau und Kinder hinterlässt. Und das ist total in Ordnung, dass Du den Wunsch nach Heilung hast. Brönnimann erzählt uns wie sie eine schwer erkrankte Frau begleitet, die kaum Kraft hatte und bis fast „ans Ende der Welt“ reiste um zu DER Heilerin zu gelangen. Dieser Ausflug war leider ein großer Reinfall und ein gewaltiger Kraftakt für die Erkrankte.

Ich habe es nun schon öfters gehört von einer an Krebs erkrankten lieben Seelenfreundin, dass ihr vorgeworfen wird, wenn sie sich um ihre letzten Wünsche wie Beerdigung und Testament kümmert, dass sie sich aufgibt. Dabei ist es doch ihr gutes Recht sich zu kümmern, wenn sie dazu Kraft hat.

Auch in der Krebskrankheit bin ich – immer noch – die Königin oder Chefin meines Lebens. Genauso bin ich die Chefin meines Sterbens. Finde ich. Ich habe darüber die letzten Tage nachgedacht. Es ist MEIN Sterben. Ich bin nicht ausgeliefert. Ich kann es zumindest versuchen, so lange ich durch Morphium oder andere Arzneimittel nicht zu sehr außer Gefecht gesetzt bin.

Die Autorin Brönnimann schenkt uns dieses Gedicht von Hilde Domin:

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Ihr Lieben, die Ihr das hier lest: Macht den Kranken Mut, stärkt sie in ihrem Vertrauen in ihr Leben und ihr Sterben, gebt Ihnen gute Gedanken auf den Weg. Alle Gedanken und Wünsche sind OK. Wenn Ihr seht, dass ein krebskranker Mensch sterben wird, dann hat er NICHT! versagt. Er hat eine unheilbare Krankheit. Leider sterben liebste Menschen an diesen unheilbaren Krankheiten. Ob jung oder alt.

Unser Leben ist endlich. Holen wir den Tod oder die Tödin, wie es die Sterbeamme Johanna Wilke hier so schön beschrieben hat, an unsere Seite. Er gehört zu unserem Leben. Genießen wir jeden Tag, den wir leben.

Ich wünsche uns Gelassenheit und tiefe Dankbarkeit … wir sind Gast auf dieser Welt.

9 Gedanken zu „Der tapfere Kampf gegen die Krankheit

  1. Ich möchte auch noch auf Claudia Cardinals Buch hinweisen, das ich hier im Blog vorgestellt habe: Lebe und lerne sterben. Auf Seite 50/51 gibt sie uns ganz viele Impulse und stellt supergute Fragen – im Kapitel „Abschied durch Krankheit“. Lassen Sie nicht zu, eine Zahl in der Statistik zu sein. Nutzen Sie jede Chance auf Heilung. Seien Sie bockig und unbequem mit Ihren Fragen und Ihrer Suche.

    Ein Widerspruch zu dem, was ich im ARtikel geschrieben habe, inspiriert durch Frau Brönnimann?

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  2. „Den Kampf gegen die Krankheit annehmen, sein bestes geben und sich am Ende einfach fallen lassen sobald es mir bewusst wird, das der Kampf vergebens war“
    So ähnlich hat es damals die Schwester einer guten Freundin ausgedrückt, kurz vor ihrem Krebstod mit 28.
    Sie hat den Kampf angenommen, geführt und am Ende nicht gewinnen können aber keinesfalls versagt, nein ihr Bestes gegeben. ich habe sie kurz vor ihrem Tod noch einmal sprechen können.
    Da wusste sie bereits, das ihr nur wenige Tage bleiben, doch wirkte sie nicht resigniert, dachte an Aufgeben. Optimistisch, zuversichtlich aber auch erleichtert, das letztlich eine Entscheidung gefallen ist in diesem Kampf.
    Sie hat sich, wie sie immer betonte ein würdevolles Sterben gewünscht, „wenn es dann so kommt und nicht mehr abwendbar ist.“. Auch dafür hat sie gekämpft und das erfolgreich, denke ich. So wie sich diese tapfere Frau das gewünscht hat.

    Schon Wochen vorher hatte sie noch einen Termin mit einem Bestatter gemacht, um ihre Beisetzung zu regeln.
    Zum Entsetzen ihrer Familie, die es als Zeichen der Aufgabe und Resignation ansah.
    Nicht für sie.
    „Ich möchte selber bestimmen, welche Farbe mein Sarg haben wird, das Totenhemd und ob ich auf einem schlichten Kissen oder doch dem verschnörkelten mit Spitze ruhe“
    Natürlich war ich bei der Beisetzung, ein schönes, stimmungsvolles Abschiedsfest, wie es sich die junge Frau gewünscht hatte. Auch dafür hat sie -erfolgreich- gekämpft.

    Für mich war sie eine Gewinnerin, auch wenn es am Ende nicht gereicht hat. Sie hat ihr möglichstes gegeben und klaglos anerkannt, das der Tod stärker sein würde, ohne starrsinnig noch weiter dagegen an zu rennen.

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  3. Danke für diesen tollen Artikel, liebe Petra. Ist es nicht eigentlich sogar ziemlich egoistisch nicht zuzulassen, dass ein Sterbender sich mit seinem Tod und der eigenen Trauerfeier auseinandersetzt? Derjenige möchte sich mit dem Tod nicht konfrontieren … und in Wahrheit ist es doch ganz wunderbar genau zu wissen, wie der Verstorbene seine Trauerfeier und Beerdigung haben möchte, weiß man dann doch, dass alles in seinem Willen geschieht.
    Der Satz von Hilde Domin begleitet mich schon was länger, ich mag ihn sehr.

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    • Liebe Christine,
      dem ist nichts hinzu zu fügen.
      Auch ich weiß schon länger wie ich eines Tages beerdigt werde, weil ich es geregelt habe. Auch in meinem Umfeld zeigte nicht jeder Verständnis, sich mit „so etwas“ zu beschäftigen. Da war eher so ein Anflug von Entsetzen raus zu hören.
      Dem ich entgegnet habe
      „kann sein daß ihr eines Tages ein Stück weit verstehen werdet, das ich richtig entschieden habe, dafür euch in der Trauer eben manche Entscheidungen abzunehmen oder wenigstens zu erleichtern.

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    • Hallo Christine, ja, es ist egoistisch und doch begreifbar. Denn wie habe ich es letzthin gehört: Nicht der Tod ist das Tabuthema unserer Tage. Nein. Die Trauer.

      Zu wissen, dass die Tochter oder der Sohn sterben wird, ist unendlich schmerzhaft. Deshalb braucht es Sterbeammen, Sterbebegleiter, Fährfrauen, die sich mit den STerbenden und mit den Angehörigen auf den Weg machen.

      Selbst zuzulassen und auch mitzuteilen: Mama, ich werde sterben … lass mich mein Sterben vorbereiten … dazu braucht es unendliche Zuversicht und ein „Ja so wird es sein, so soll es sein“.

      Einer unserer Freunde sagte: Ja, es ist Krebs. Ich werde sterben …

      So ist es passiert.

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      • ja das ist auch bei anderen Sachen so… aber diese Weltsicht das Kampf immer der Weg ist die mag ich einfach nicht mehr leben

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