Memento Mori: Die vierte Runde

Petra: Hallo Lutz, aber klar werde ich aus Cornwall bzw. Dessau berichten: ich werde nach Friedhöfen suchen … auch bei Rosamunde Pilcher wurde gestorben, nehme ich an. Bin schon sehr gespannt. Ich war weder in Cornwall noch in Dessau bisher. Neben der Bauhauskunst in Dessau werde ich sicher einen Friedhof entdecken. Ich schaue mal – auch wo mich das Schreiben hinbringt.
Heute am 3. Mai starte ich bereits die Fortsetzung unseres Gesprächs. Mein Vater hätte heut Geburtstag gehabt und wäre 95 geworden. Er wurde stattliche 87 Ich hab ihn heut um Rat gefragt: „Na, was würdest du tun? Wie würdest du entscheiden?“ Und dann spüre ich in frühere Gespräche mit ihm und erahne eine Antwort. „Du machst das schon“, höre ich aus der Ferne.

Sprichst Du mit „deinen“ Toten?

Lutz: Die Frage ist einfach zu beantworten: Nein. Ich erinnere mich gerne und oft an viele Momente mit den einst Lebenden, meist Kindheitserinnerungen, ja. Aber sprechen mit den Toten tue ich nicht. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass „meine“ Toten mir irgendetwas mitteilen wollen. Mal jenseits von Okkultismus und Spiritisten gibt es ja viele Menschen, die denken, dass sie Nachrichten aus dem Totenreich empfangen, Ratschläge, Hilfestellungen, Fingerzeige. Das ist mir völlig fremd.
Allerdings bilde ich mir ein und ich weiß nicht, ob es wirklich so ist, dass meine 1999 viel zu früh gestorbene Mutter wie ein Schutzengel über uns wacht. Das ist tröstlich und beruhigend, ich habe zu viele Momente im Leben erlebt, in denen alles am Ende gut oder doch zumindest glimpflich ausgegangen ist, als dass ich das auf Schicksal oder Glück allein schieben würde. Und ich habe mir immer gedacht, dass sie auch ein Schutzengel für ihre Enkel ist, die sie so gerne hätte aufwachsen sehen, was ihr nicht vergönnt war. Es hat ihr unendlich weh getan, als ihr klar wurde, dass sie den Kampf gegen den Krebs verlieren würde, und mir auch.

Ist lange her, lass und von etwas anderem reden.
Wie wäre es, wenn Du uns von dem Christbaumanhänger erzählst, von dem Du mir ein Bild geschickt hast. Ein Geschenk Deiner Schwester.
Hängst Du die wirklich in den Baum?

Petra: Oh, diesen schönen Anhänger aus Glas werde ich nie in einen Baum oder Strauch hängen. Viel zu groß ist da meine Angst, dass das gute Stück runter fällt und in tausend bunte Scherben zerbirst. Er ist nämlich relativ schwer. Ich glaube, meine Schwester hätte ihn am liebsten selbst behalten, so schön wie der Totenschädel bemalt ist. Sie zeigte mir das kleine Geschäft, einen Blumenladen in Ravensburg, in dem der Anhänger im dekorierten Fenster hing.

Die Totenschädel sind ja vor allem im November sichtbar, verbunden mit dem mexikanischen Dia de los muertos. Ich denke mal, dass das Schaufenster entsprechend dekoriert war. Hast Du irgendetwas, das einen Totenschädel ziert? Einen Ring oder Manschettenknopf beispielsweise? Ich trage gern ein schwarzes T-Shirt, auf dem ein schöner Schädel zu sehen ist. Von meinem Sommerkleid mit dem Totenschädel-Muster hab ich ja das Titelbild für unseren Blog realisiert. Der gläserne Schädel steht übrigens auf unserer Kommode im Wohnzimmer: erinnert mich an meine Endlichkeit :-).

Lutz: Erwischt. In der Tat habe ich einen kleinen, tennisballgroßen Totenschädel aus Stein. Und ich hätte vor über 30 Jahren in London fast mal einen Voodoo-Stab mit einem Schrumpfkopf gekauft, sicher ein Schädel eines Affen. Wenn ich nur gewusst hätte, wie ich den im Flieger, ohne Aufsehen zu erregen, heim bringe, hätte ich ihn gekauft. Da fällt mir ein, ich habe zudem einen kleinen silbernen Totenschädel-Anhänger am Charivari. Das ist eine Kette, die über dem Latz der Lederhose getragen wird (Hallo aus Bayern), neben allerlei anderen Anhängern. Ich finde das ganz und gar nicht gruselig, bin aber auch kein Gothic-Typ. Schädel haben etwas Insprierendes. Was wäre z.B. Hamlet ohne die entsprechende Szene mit dem Schädel? Oder die Asamkirche? Die Kunst- und Kulturgeschichte ist voll davon.

Noch mal zurück zu Dessau, Leipzig und den bereits veröffentlichten Beiträgen. Ich vermute, du gehörst auch zu den Leuten, die – egal wo man ist – einen Friedhof besucht haben wollen, oder?

Genau. Inzwischen ist es Juni geworden und den wunderschön angelegten Leipziger Parkfriedhof im Stadtteil Plagwitz hab ich hier im Blog vorgestellt. Und die Fotos des Historischen Friedhofs in Dessau sind auch frisch online gegangen. Jetzt geht es nach Cornwall … und ich bringe sicher Fotos mit.

Wird fortgesetzt
 

Hier sind die vorangegangenen Gespräche:

1. Chat
2. Chat
3. Chat

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