Über Annegret Zander

Theologin und Playing Artist

Zum Sterben hinlegen

582DB2F2-2E30-4264-8C11-3EC0FEA79B05Als Helmut nicht mehr zu Hause leben konnte, beschloss er zu sterben. Er hörte auf zu essen, legte sich hin und starb binnen zwei Wochen.

Als Fritz mit 95 Jahren nach einer Erkältung schwächelte, wollten ihn die Pflegerinnen wieder aufpäppeln. Mit Astronautenkost oder so was in der Art. “Wohin wollen Sie ihn denn päppeln?“ fragten Tochter und Schwiegertochter. „Er hat gerade seinen 95. Geburtstag gefeiert und findet das sei alt genug.“ Die Pflegenden wunderten sich. So etwas hören sie nicht alle Tage. Meist soll das alte Leben weiter und weiter gehen. Weiterlesen

Was sich ändert, seit ich über´s Sterben rede

IMG_2328Unsere Blogaktion „Was kommt danach“ wurde ja durch das Nachfragen von Dorothea Hillingshäuser initiiert, die zurzeit an einem Heft zu diesem Thema arbeitet. Sie stellte uns drei Fragen. Petra hat sie so beantwortet…

Hier jetzt meine Gedanken dazu.

Was bedeutet euch der Blog?
Ich habe vorher noch nie mit jemand so dauerhaft und durchaus detailverliebt ein Thema verfolgt. „Über das Sterben reden“ ist in der Tat ein wichtiger Bestandteil unserer Freundschaft. Das macht immer noch total Spaß und hat was von Detektivarbeit. Ich bin immer noch mit unserer ursprünglichen Haltung unterwegs: wir machen das, weil und solange wir Lust dazu haben. Es ist ok und gewollt, dass wir hier schreiben und posten wie wir können, ohne Hochglanz-Ziele oder Druck. Ich habe im letzten Jahr so wenig Zeit zum Schreiben gehabt. Aber dafür war ich umso mehr im Gespräch darüber. Ich denke viel und auf vielfältigen Ebenen über „Sterben“ nach. Aktuell gerade wieder darüber, wie ich meine ethischen Vorstellungen in meine Patientenverfügung bringen kann. Darüber hoffentlich bald mal mehr. Weiterlesen

Land in Sicht

„Was kommt nach dem Tod?“ fragen wir in unserer aktuellen Blogaktion. Eine Verbündete in Sachen „Spiritualität und Schreiben“ brachte kürzlich ein Lied von Rio Reiser  ins Spiel: „Land in Sicht“. Ein Paar, wünschte sich für das Ehejubiläum dieses Lied, wissend dass die Frau in absehbarer Zeit sterben wird.

 

Was für eine Fülle von Bildern, dazu die Musik und Reisers Stimme, die den schwierigen Weg nicht verschweigen, aber der Leichtigkeit und Hoffnung das letzte Wort, den letzten Ton widmen. Ich glaube sowieso, dass ich beim dem Thema nur mit Poesie weiterkomme…

Der Text von Rio Reiser

Land in Sicht, singt der Wind in mein Herz. Weiterlesen

Fürchte mich nicht

Fürchte mich nicht!

Heute beginnen wir mit unserer Blogchallenge 2018: Mento Mori – Lebendig die Toten und an den Tod erinnernbei der Ihr auch noch spontan einsteigen dürft! Das Gespräch über den Tod in die Normalität zu bringen, ist schon lange unser Ansinnen. Mit unserer Challenge möchten wir uns und Euch herausfordern, dies bunt und kreativ zu tun!

Ich wollte eigentlich groß rauskommen mit der Patientenverfügungsparty. Ich hab auch schon ne kleine Gästeliste, aber mein Arbeitsalltag lässt gerade wenig Lücken. Also brüte ich weiter über der Idee und verteile derweil flugs diese selbst hergestellte DinA6 Karte im öffentlichen Raum und unter Leuten. Und schau mal was passiert. Es wird noch Dokufotos hier in meinem Post geben.

November – Blog-Challenge 2018: Memento mori – Werdet kreativ!

C69C501A-2FBC-44A1-B835-CB8CFB7FCD70Die ersten Spekulatius wurden gesichtet. Es ist also keinen Moment zu früh, um unsere November-Blog-Aktion zu starten. Diesmal fordern wir euch heraus, visuell und kreativ zu werden. Oh ja!

Memento mori – lebendig die Toten und an den Tod erinnern

Schon ziemlich zu Beginn unserer Totenhemd-Aktivitäten hat uns immer wieder beschäftigt, wie das „Über das Sterben und den Tod reden“ auch in Formen gegossen werden kann. In Bilder, Dinge und somit Anlässe, die zum Reden mit anderen einladen. Wir hatten zum Beispiel die Möglichkeit bei der Fotoaktion von Bestatter Pütz-Roth mitzumachen, für die Annegret sich eine Sterbedecke nähen ließ, die man auch als Tages- oder Picknickdecke verwenden kann. Besonders befeuert wurde der Wunsch nach kreativer Gestaltung durch die bunten Bilder, die uns Katja Glöckler aus Mexiko zusandte: Der „Dia de los Muertos“  macht das ganze Land bunt: Zuckerschädel in den Supermärkten, Klappergerippe in Kneipen und Kinderzimmern und vor allem die prächtigen Altäre, die die Weiterlesen

Buchtipp: Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen

41c+1vrQ5lLMargareta Magnusson ist zwischen achtzig und hundert Jahre alt, sagt sie. Sie ist Expertin für döstädning – dö = Tod, städning = aufräumen/reinemachen. So, das übersetze mal: Todreinigung? Endreinigung? Todaufräumen?  Oha. Die Schwed*innen sind im Vorteil, bei diesem Teil des „Über-das-Sterben-reden“. Death Cleaning geht auch. Also dann:

Und Frau Magnusson erzählt in ihrem Büchlein aus ihren Erfahrungen. Den nicht so schönen, wenn man sich durch unaufgeräumte Hinterlassenschaften wühlen muss. Den beglückenden, wenn man sich die Dinge, die eine*n umgeben, noch einmal anschaut und hineinfühlt, was sie bedeutet haben. Und es dann fortgibt. Den manchmal traurigen. Und wie das doch alles zum Altwerden dazu gehört. Eine liebevolle Anleitung, die eigene Endlichkeit ganz handfest in sein Leben zu integrieren.

Das kleine Buch mit dem langen Titel „Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen“ könnte Weiterlesen

Die Löffellisten-Challenge: heieieieieiei!

Kleine Damen mit Löffel c Annegret ZanderSo, liebe Mit.Schreiberinnen unserer November Blog Challenge – und liebe Leser*innen,

das hatten wir uns so einfach gedacht: Schreibste ne Löffelliste, machste was davon, schreibste drüber. Und dann ratterten, schlichen, klapperten, eierten, trödelten, sprangen, rasten und reisten unsere Mit.Schreiberinnen durch das Löffellisten – Land. So manches Mal wollte ich rufen: He! Thema verfehlt! Ihr sollt doch nicht ÜBER Löffellisten schreiben, sondern eine solche Tu-Fertig erstellen. Erstaunlich: Nicht der Tod war die Hürde, sondern Die-Liste-an-sich! Und nach allem Ringen stehen sie nun doch in Raum und Universum, als Herzenslisten, voller Überraschungen. Ansteckend. Ich vermute mal, liebe Mit.Leser*innen, dass so manche*r von euch ein Listchen begonnen oder ergänzt hat.

Aber mal ehrlich. Es gibt nichts Gutes außer man TUT es. So richtig handfest: Joggen lernen,  dennoch Geburtstag feiern, mit einer Ukulele eine Liebesbeziehung Weiterlesen

Eine Totensonntags-Feier der Fülle

Copyright- Dorothee BoeckerLest und holt ihn euch immer wieder hervor, diesen zärtlichen Text über den Tod und die Toten! Dorothée war inspiriert von den Löffellisten und meinem Traum von „Diá de los Muertos in protestantischen Kirchen“ und hat einen ganz wunderbaren Gottesdienst in Berlin gezaubert, gestern zum Totensonntag. Die Tradition in der REFO-Gemeinde sind Stationen-Gottesdiensten, in denen die Besucher*innen ihren eigenen Weg gehen. Zum Totensonntag lud sie dazu ein, Erinnerungsstücke, Bilder und Schmuck für einen Altar zu Ehren der Verstorbenen mitzubringen. Außerdem Lieblingsessen der Verstorbenen für einen Schmaus am Ende des Gottesdienstes. Sie holte den Himmel auf die Erde und die Besucher*innen konnten gute Erinnerungen darauf schreiben. Lest hier ihre Predigt samt Bildern „Wenn Zeit und Ewigkeit sich küssen.“

Ich wünsche mir, dass noch ganz viele solcher Feiern für und mit unseren Toten entstehen und wir das Leben feiern!

Allerseelenmonatssehnsucht

IMG_5774Da schreiben wir nun schon wie lange im Totenhemdblog? Im Januar könnten´s drei Jahre sein. Und ich phantasier mir die ganze Zeit mein Dia de los Muertos und schleich mich so ran und nun erst/endlich hab ich meinen ersten eigenen kleinen Altar. Am Sonntag vor Halloween – was ja von All Hallows´ Eve (Abend vor Allerheiligen)  kommt – hab ich ihn zusammengestellt, mit dem was da ist. Mit dem Klaus und dem Bastian und dem Friedrich, der Ulrike, die ich gar nicht kannte aber ihren Mann und mit einem Hauch von Imke, die dieses Jahr freiwillig aus dem Leben ging und ich hab ihnen Smarties in die Etagère getan, was höchstens Imke gut gefunden hätte und die kleine Girlande dazu und das Bild von Petra und mir in meine Sterbedecke eingewickelt und meinen Holzlöffel (den zum Abgeben). Das ist immerhin ein Start.

Aber eigentlich will ich noch woanders hin. Eben hat der Artikel „Allerseelen, Bier und toter Otto“ mir gespiegelt, was es ist. Öffentliche und halböffentliche sichere schöne warme Allerseelenfeierlichkeiten.

Ich bin ja Pfarrerin (ohne eigene Gemeinde) und liebe Rituale, bunte Feste, das Zusammensein mit nahen und fremden Menschen. Besonders Weiterlesen