Über Annegret Zander

Theologin und Playing Artist

Die Löffellisten-Challenge: heieieieieiei!

Kleine Damen mit Löffel c Annegret ZanderSo, liebe Mit.Schreiberinnen unserer November Blog Challenge – und liebe Leser*innen,

das hatten wir uns so einfach gedacht: Schreibste ne Löffelliste, machste was davon, schreibste drüber. Und dann ratterten, schlichen, klapperten, eierten, trödelten, sprangen, rasten und reisten unsere Mit.Schreiberinnen durch das Löffellisten – Land. So manches Mal wollte ich rufen: He! Thema verfehlt! Ihr sollt doch nicht ÜBER Löffellisten schreiben, sondern eine solche Tu-Fertig erstellen. Erstaunlich: Nicht der Tod war die Hürde, sondern Die-Liste-an-sich! Und nach allem Ringen stehen sie nun doch in Raum und Universum, als Herzenslisten, voller Überraschungen. Ansteckend. Ich vermute mal, liebe Mit.Leser*innen, dass so manche*r von euch ein Listchen begonnen oder ergänzt hat.

Aber mal ehrlich. Es gibt nichts Gutes außer man TUT es. So richtig handfest: Joggen lernen,  dennoch Geburtstag feiern, mit einer Ukulele eine Liebesbeziehung Weiterlesen

Eine Totensonntags-Feier der Fülle

Copyright- Dorothee BoeckerLest und holt ihn euch immer wieder hervor, diesen zärtlichen Text über den Tod und die Toten! Dorothée war inspiriert von den Löffellisten und meinem Traum von „Diá de los Muertos in protestantischen Kirchen“ und hat einen ganz wunderbaren Gottesdienst in Berlin gezaubert, gestern zum Totensonntag. Die Tradition in der REFO-Gemeinde sind Stationen-Gottesdiensten, in denen die Besucher*innen ihren eigenen Weg gehen. Zum Totensonntag lud sie dazu ein, Erinnerungsstücke, Bilder und Schmuck für einen Altar zu Ehren der Verstorbenen mitzubringen. Außerdem Lieblingsessen der Verstorbenen für einen Schmaus am Ende des Gottesdienstes. Sie holte den Himmel auf die Erde und die Besucher*innen konnten gute Erinnerungen darauf schreiben. Lest hier ihre Predigt samt Bildern „Wenn Zeit und Ewigkeit sich küssen.“

Ich wünsche mir, dass noch ganz viele solcher Feiern für und mit unseren Toten entstehen und wir das Leben feiern!

Allerseelenmonatssehnsucht

IMG_5774Da schreiben wir nun schon wie lange im Totenhemdblog? Im Januar könnten´s drei Jahre sein. Und ich phantasier mir die ganze Zeit mein Dia de los Muertos und schleich mich so ran und nun erst/endlich hab ich meinen ersten eigenen kleinen Altar. Am Sonntag vor Halloween – was ja von All Hallows´ Eve (Abend vor Allerheiligen)  kommt – hab ich ihn zusammengestellt, mit dem was da ist. Mit dem Klaus und dem Bastian und dem Friedrich, der Ulrike, die ich gar nicht kannte aber ihren Mann und mit einem Hauch von Imke, die dieses Jahr freiwillig aus dem Leben ging und ich hab ihnen Smarties in die Etagère getan, was höchstens Imke gut gefunden hätte und die kleine Girlande dazu und das Bild von Petra und mir in meine Sterbedecke eingewickelt und meinen Holzlöffel (den zum Abgeben). Das ist immerhin ein Start.

Aber eigentlich will ich noch woanders hin. Eben hat der Artikel „Allerseelen, Bier und toter Otto“ mir gespiegelt, was es ist. Öffentliche und halböffentliche sichere schöne warme Allerseelenfeierlichkeiten.

Ich bin ja Pfarrerin (ohne eigene Gemeinde) und liebe Rituale, bunte Feste, das Zusammensein mit nahen und fremden Menschen. Besonders Weiterlesen

Ukulele-Selig

IMG_5737Heute Tag 2 unserer 5. Blogaktion, die wir diesmal „Challenge“ genannt haben. Die Herausforderungs – Regeln:

  1. Schreibe eine Löffelliste (vor meinem Tod möchte ich noch…)
  2. Wähle eins davon aus und tu es.
  3. Schreibe darüber. Na dann:

„Ground control to Major Tom!“

Im Frühjahr sagte Meg, die verrückte kleine Amerikanerin, die amerikanische Protestsongs mit Ukulele vom Fleck weg improvisiert, zu mir: „Wenn du eine Ukulele kaufen willst, nimm eine Tenor.“

In dieser Sekunde kam sie auf die Löffelliste. Die Tenor-Ukulele. Ich hatte keinen Schimmer von diesen Winzig-Instrumenten. Auf der Liste standen schon recht frisch:

  • Mit anderen gemeinsam musizieren, so wie die Schotten.
  • Auf meiner Bratsche neue Melodien zupfen.
  • Verlieben.
  • Erzähl-Predigten improvisieren.

Hab ich fast alles gemacht. Vom Fleck weg. Mit großer Hingabe und tiefer Freude. Nur eins fehlt noch. Weiterlesen

Nur für einen Moment alles

moment

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.  (Pred 3,11)

(Geschrieben für das Impulse – Heft der Frauenarbeit der EKKW 2017)

Nur für einen Moment
Geborenwerden und Sterben gleich
Für einen Moment alles verstehen
Alles lieben
Alles in seiner Ordnung wissen

Die Hand öffnet ihr Mandala
Ich folge jeder Linie
Falle in Liebe mit ihrer Weichheit Weiterlesen

nur noch

IMG_1306.JPGnur noch eine Seite  schreiben
nur noch eine Blume riechen
nur noch eine handvoll Erde berühren
nur noch einen See durchschwimmen
die
Kleider abstreifen ins Wasser steigen
die grauen Wellen tragen
unter mir die Tiefe
über mir der Himmel
neben mir
die Freundin
Schwan
Trauerweide

in den kleinen Kräuseln liegen
Totermann spielen
ohne Angst

***

Manchmal will ich noch das letzte Tröpfen  aus einem  Tag herauspressen.   Heute feiere ich mit Petra an einem wunderschönen Platz mit Musik und Sonne und Freundin … Und wir waren im Zürisee 🙂

„Die Decke nervt.“ Kleidung und Tod: Annegrets Antworten

IMG_1639Melina Grundmann hat uns geschrieben. Sie recherchiert zum Thema: Totenhemd im Kleiderschrank bzw. „Kleidung und Tod“. Für ein Uni-Seminar. Hier jetzt meine Antworten:

Was verbinden Sie persönlich mit dem Thema Kleidung und Tod? In welche Beziehung setzen Sie die beiden Bereiche zueinander?
Ich habe mir da früher überhaupt keine Gedanken gemacht. Schlicht weil ich es nie musste. So ganz akut wurde die Frage, als Petra und ich bei dem Fotoprojekt „Im letzten Hemd“ der Bestatter Pütz-Roth mitmachten. Aufgabe war: Wie wollen Sie sich bestatten lassen? Da habe ich es zum ersten Mal ganz konkret durchgespielt, bin durch meinen Kleiderschrank durch und es wurde klar: Es geht hier um Würde.  Ich möchte meine Würde auch im Tod gewahrt wissen. Also bitte kein Hemdchen. Schon gar keines, das man hinten nur zuschnürt, Hintern blank, die Länge mit der Schere gekürzt. Ziemlich schnell war mein bestes Kleid gewählt, eines von meiner Lieblingsschneiderin Katja Gastell, Hamburg (Alpenglühen in der Marktstraße ;-)) Es ist aus braunem Nadelstreifenanzugstoff, mit einem Grünbraun gemusterten Rand und Kapuze. Fast alle meine Klamotten haben eine Kapuze, aber dieses ist mein „feines“ Kleid. Bitte die braun-schwarzen Stiefel dazu (siehe Bild). Das Kleid trage ich zu besonderen Anlässen. Es zeigt denen, die mich kennen, meine Verbundenheit mit der Kunst. Es ist so – auch Weiterlesen

Totenhemd trifft Poetry: Zum Schluss

IMG_4116Einen Monat lang gab es Poesie im Totenhemd-Blog. Im Vorfeld und mittendrin wurde gereimt und gerungen, manches flog zu, manches musste erarbeitet werden. So ist das, wenn man versucht, übers Sterben zu reden, versucht, das Schweigen zu brechen, Worte zu finden, die Waage zu finden zwischen Leicht und Tief.

Danke Euch allen, die Ihr mitgemacht habt. Eure Texte haben uns und viele Leser*innen berührt und inspiriert.

Das Totenhemd im Schrank erinnert uns immer mal wieder an unsere Endlichkeit. Kommen wir also damit ins Spiel – und lassen uns ab und zu darauf ein. So wie am Tag der Poesie, an dem ein paar Leser*innen auf Facebook einen Haiku geschrieben haben. Die haben jetzt das letzte Wort in unserer Blogaktion:

Schon sind sie verwelkt
aber draußen die Knospen Weiterlesen

Totenhemd trifft Poetry: Sarah Bernhardt

Es geht…

Es geht, denk ich, übers Sterben zu reden.
Ist doch normal: Leben und Sterben. Sterben und Leben.
Gehört dazu – eins zum anderen. Aber nicht eines ohne das andere.
Und dann seh ich es: das Sterben. Spür es hautnah.
Dem Tod Geweihte, leidend, hadernd, leergeweint.
Das Leben geht über. Ergibt sich dem Sterben. Und mir keinen Sinn.

Es geht nicht, denk ich, übers Sterben zu reden.
Will nicht, kann nicht, darf nicht. Und während ich es aussitze und verschweige, seh ich, dass sie mit dem Sterben leben. Sehe sie trotzig dem Ende entgegen tanzen. Ja, sie tanzen, energiegeladen und federleicht im Augenblicksglück. Sie tanzen, als gäbe es kein Morgen. Als wär die Diagnose nur eine Entscheidung: Dafür oder Dagegen.
Und der Entschluss: Ich bin dagegen.

Es muss gehen, denk ich, übers Sterben zu reden.
Weiterlesen

Totenhemd meets Poetry: Sterbe-ABC

Heute beginnen wir mit unserer 4. Blogaktion! An jedem ungeraden Tag des Monats März lest ihr einen poetischen Text (hier geht´s zu den genauen Regeln – ich hab mich dran gehalten 😉 drei Wörter aus unserer gemeinsamen Sammlung sind drin!). 

Petra und ich wollen dazu anregen, über das Sterben zu reden. Je öfter wir das tun, desto leichter wird´s. Das heißt nicht, dass wir scharf sind auf´s Ableben. Mitnichten!

Sterbe-ABC
A-bdanken werde ich nicht
B-ruder Tod beiß ich in die Hand
C-haron spring ich aus dem Boot
D-raufgehen geb ich dran
E-rde (zu Erde) mische ich mit Blumensamen
F-rieden finde ich im Essen
G-ras spuck ich sofort wieder aus.
H-ein wird niemals mein Freund
I-n den letzten Zügen hole ich extra tief Luft
J-agdgründe umgehe ich
K-lingen umtanze ich
L-ebensbühnenabtritt vertausch ich gegen großes Kino
M-einen Geist geb ich nicht auf
N-ehme das Leben ganz
O-pfern kommt nicht in Frage
P-feife auf den Knochenmann
Q-ualen des Todes verdamme ich
R-adieschen schau ich vergnügt von oben an
S-anft entschlafen verhindere ich mit Koffein
T-hanatos nehme ich die Sense ab
U-nter die Erde kommt höchstens eine Blumenzwiebel
V-atter Gevatter kann mich mal
W-ege alles Irdischen koste ich aus
X-und-hopp nicht mit mir
Y-es zum hingebungsvollen Leben

Z- eitliches segne ich nur unter obigen Bedingungen

ZYXWVUTSRQPONMLKJIHGFEDCBA

sollte es irgendwann doch so weit sein

ergeb ich mich

ja

gut

Annegret Zander